Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)

Aussehen:

Europäische Wildkatzen, auch Waldkatzen genannt, sind äußerlich kaum von Hauskatzen zu unterscheiden. Zwar haben sie einen etwas dickeren Schwanz mit drei schwarzen Ringen, sind von etwas kräftigerer Statur und haben einen hellen Nasenspiegel sowie einen schwarzen Streifen auf dem Rücken, aber durch genetische Vermischung mit Hauskatzen kann es zu Zwischenformen kommen, die sich nur genetisch nachweisen lassen. Im Übrigen sind Waldkatzen so scheu, dass man sie als normaler Spaziergänger nicht zu Gesicht bekommt.

Von Schorle - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6489853

Bedeutung der Art:

Wildkatzen sind eine der am weitesten verbreiteten Katzenarten und gelten deshalb laut Roter Liste als „nicht gefährdet“. Ihr Bestand ist trotzdem nicht sonderlich groß und war lange Zeit rückläufig, weil die scheuen Katzen naturnahe Landschaften brauchen und den Menschen meiden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit einhergehende Zerstückelung des Lebensraums Wald entstand hierzulande die Notwendigkeit, Wildkatzen unter Schutz zu stellen. Heute erholen sich die Bestände wieder und die Tiere gelten als Zielart, an deren Vorkommen gut festzustellen ist, ob ein Wald wirklich naturnah ist.

Lebensraum:

Wildkatzen brauchen zum Leben große, ruhige Wälder mit Totholzbestand. Sie meiden offene Flächen ohne Deckung, weswegen Felder zwischen Waldstücken für sie ein echtes Problem darstellen. Das Revier einer Katze hat eine Größe zwischen drei und neun Quadratkilometern, die Tiere leben als Einzelgänger.

Verbreitung:

Extant distribution area of the European wildcat (IUCN Red List of Threatend Species 2015)

Unsere Schutzmaßnahmen:

Wildkatzen-Monitoring

Die Hauptverbreitungsgebiete der Wildkatze in Hessen befinden sich im Taunus, Rothaargebirge, Kellerwald, Spessart, dem hessischen Bergland und im Reinhardswald. Für Bereiche des Lahn-Dill-Berglands fehlten bislang belastbare wissenschaftliche Nachweise für ein Vorkommen der scheuen Waldkatze. Eine große Lockstockuntersuchung im Jahr 2009 vom Taunus bis ins Lahn-Dill-Bergland mit insgesamt rund 400 Lockstöcken deckte in diesem Bereich eine Verbreitungslücke auf. Es galt zu untersuchen, ob sich diese Lücke geschlossen hatte.

Das Projekt „Der Status der Wildkatze im Lahn-Dill-Bergland und dessen Randbereichen“ wurde in enger Zusammenarbeit mit dem BUND Landesverband Hessen e.V. durchgeführt und hatte das Ziel, mithilfe der Lockstock-Methode Wildkatzen im Lahn-Dill-Bergland genetisch nachzuweisen.

Dafür wurden sägeraue Dachlatten an mit hoher Wahrscheinlichkeit von Wildkatzen frequentierten Stellen in den Boden eingeschlagen und mit Baldriantinktur eingesprüht. Durch den Baldrian angezogen reiben sich die Wildkatzen daran und hinterlassen Haare, die dann abgesammelt werden können. Die Stöcke wurden von Freiwilligen in der Ranzzeit der Wildkatze von Februar bis April in einem wöchentlichen Turnus auf Haare kontrolliert. Vorgefundene Haare wurden in Probenbeutel verpackt und an das Senckenberg Institut in Gelnhausen geschickt, wo die Haarwurzeln genetisch untersucht wurden, um festzustellen, ob sich tatsächlich eine Wildkatze am Lockstock gerieben hat. Danach wurde der Stock jeweils abgeflämmt, um eine Verunreinigung weiterer Proben zu verhindern.

Die Untersuchungsergebnisse liegen nun vor: Circa die Hälfte der eingesammelten Haarproben stammen tatsächlich von Wildkatzen, hinterlassen von mindestens 16 unterschiedlichen Tieren. Der Anteil an Männchen ist dabei fast doppelt so hoch wie der der Weibchen, was aber daran liegt, dass die Kuder, so nennt man die männlichen Wildkatzen, besser auf den Baldrian ansprechen. Die positiven Ergebnisse (auf der Karte rechts eingekreist) verteilen sich auf das ganze beprobte Gebiet.

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