Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)

Aussehen:

Der Kreuz-Enzian wächst als ausdauernde krautige Pflanze und wird zwischen 10 und 40 Zentimetern hoch.

Die Laubblätter bilden unten eine grundständige Rosette und sind am kantigen Stängel kreuzgegenständig angeordnet. Sie sind etwas ledrig, fünf bis fünfzehn Zentimeter lang und ein bis dreieinhalb Zentimeter breit. Ihre Form ist ei-lanzettlich und sie sind meist dreinervig. Die untersten Stängelblattpaare sind zu einer Scheide verwachsen.

Von Juni bis September blüht die Pflanze blau, die 2 – 2,5 cm langen, zwittrigen Blüten sind röhren- bis glockenförmig und haben je vier oben breit-dreieckige, zugespitzte Kelchblätter. Die Bestäubung erfolgt mit Hilfe von Insekten.

Bedeutung der Art:

Der aus Europa stammende Kreuz-Enzian wächst in Deutschland nur zerstreut, z.B. im Neckarbecken, in der Schwäbischen Alb und in den Alpen.

In Hessen gibt es nur eine Handvoll Funde, die nach 1977 noch nachgewiesen wurden. Die einzigen drei aktuelleren Nachweise von Kreuz-Enzian in Mittelhessen fanden im heutigen Gebiet des Naturparks Lahn-Dill-Bergland statt. An den meisten Standorten ist der Bestand rückläufig. Deswegen wurde der Kreuz-Enzian 1996 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Deutschlands als gefährdet (3+) bewertet.

Der seltene Kreuzenzian-Ameisenbläuling legt seine Eier ausschließlich am Kreuz-Enzian ab und ist somit auf ihn angewiesen.

Lebensraum:

Der kalkstete Kreuz-Enzian bevorzugt einen sonnigen Standort mit gut durchlässigem, lehmigem bis humosem Boden. Auch zwischen Steinen gedeiht er gut. In der freien Natur wächst er oft in lichten Wäldern, an Waldsäumen, auf Weiderasen und Trockenwiesen, weswegen er durch die zu intensive oder extensive Beweidung von Magerrasen sowie das Verschwinden dieses Lebensraumes bedroht ist.

Verbreitung:

Das Verbreitungsgebiet umfasst Europa (mit Ausnahme von Großbritannien, Portugal und Skandinavien) sowie Westasien. Er kommt hauptsächlich in montanen (bis subalpinen) Gegenden vor.

Unsere Schutzmaßnahmen:

Kreuz-Enzian-Projekt

Der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) zählt zu den seltensten Pflanzen Hessens und zugleich zu den Arten, für deren Erhaltung dem Land eine besondere Verantwortung zukommt (er ist Art der Hessenliste). Für Mittelhessen galt die Art allerdings als verschollen und ist erst im letzten Jahr im Lahn-Dill-Bergland wiedergefunden worden. Es handelt sich um das einzige aktuell bestätigte Vorkommen in Mittelhessen.

Der blau blühende Enzian benötigt einen steinigen, kalkreichen Untergrund und wächst oft auf extensiv beweideten Magerrasen. Mit dem Rückgang dieser Nutzungsform nahmen allerdings die Bestände des Kreuz-Enzian ab, auch bei Dillenburg, wo sich das lokale Vorkommen von damals ca. 74 Pflanzen (Stand 2017) befindet. Früher existierte hier eine größere Population des Kreuz-Enzians, die aufgrund unzureichender Bewirtschaftung fast erloschen ist.

Deswegen hat sich der Naturpark Lahn-Dill-Bergland 2017 entschlossen, eine populationsstützende Maßnahme zu koordinieren und die Fördergelder dafür einzuwerben. Zur Erhaltung der Population des Kreuz-Enzians sollten im Jahr 2018 von der Landschaftspflegevereinigung (LPV) Lahn-Dill folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Tiefe Mahd des Magerrasens am Fundort und Entfilzung insbesondere der Moosschicht zur Verbesserung der Keimungsbedingungen
  • Optimierung der Wuchsbedingungen der Enzianpflanzen der Quellpopulation (Freistellen von Konkurrenz, Gießen bei extremer Trockenheit) mit dem Ziel, die Vitalität und damit die Samenproduktion zu verbessern
  • Anpassung und Verbesserung der bestehenden Pflege der Fläche durch Schafbeweidung
  • Anzucht und Ausbringung von angezogenen Pflanzen aus vor Ort gesammeltem Saatgut in Zusammenarbeit mit dem botanischen Garten Marburg

Die Arbeiten sollten auf zwei Jahre verteilt durchgeführt werden, wobei in jedem Jahr die Hälfte der Gesamtfläche von 1.564 qm bearbeitet würde. Allein durch die angepasste Beweidung und regelmäßiges, außerplanmäßiges Gießen der Pflanzen vonseiten der LPV wurde allerdings schon eine Populationsverdopplung im Jahr 2018 bewirkt. Aus den 2017 gesammelten Samen konnten bereits ca. 400 Pflanzen angezogen werden, von denen im Herbst 2018 bereits 100 ausgepflanzt wurden. Im Frühjahr 2019 werden die restlichen 300 Pflanzen ausgepflanzt bzw. bereits neue Pflanzen aus den noch gesammelten Samen angezogen. Auch die LPV Lahn-Dill plant nun, Fördermittel für den Kreuzenzian einzuwerben.

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