Kleines Knabenkraut (Anacamptis morio)

Aussehen:

Das Kleine Knabenkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis 50 Zentimetern erreicht. Die meist in einer grundständigen Rosette stehenden Laubblätter sind lanzettlich, meist spitz, gelegentlich auch mit abgerundeter Spitze, 3 bis 10 Zentimeter lang und etwa 1 bis 2 Zentimeter breit. Der Stängel ist kräftig, etwas kantig und nach oben hin violett überlaufen.

Der Blütenstand des Kleinen Knabenkrautes ist meist reichblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenfarben sind überwiegend purpurrot, können aber auch nahezu weiß sein. Das mittlere Kelchblatt und die Kronblätter bilden einen Helm. Die seitlichen Kelchblätter besitzen ein auffälliges, grünes Linienmuster und stehen etwas ab. Die Lippe ist bis 10 Millimeter lang und 16 Millimeter breit, schwach bis mäßig dreilappig. Die Seitenlappen sind flach ausgebreitet oder nach hinten geschlagen. Die Lippenbasis ist heller mit dunkleren Punkten oder Strichmuster. Der zylindrische Sporn ist aufwärts gebogen und kürzer als der Fruchtknoten.

Das Kleine Knabenkraut zählt zu den ersten Pflanzenarten, die auf einer Wiese blühen. Es erscheint bereits Ende April, im Mittelmeergebiet bereits ab März.

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Bedeutung der Art:

Das Kleine Knabenkraut ist eine Orchidee, die im 19. Jahrhundert noch sehr häufig war. Sie verträgt kaum Düngung, toleriert diese aber zumindest zeitweise noch etwas mehr als beispielsweise das Brand-Knabenkraut. In der Nordhälfte Deutschlands sind weit mehr Vorkommen erloschen als in Süddeutschland. Durch Düngung wurden dort viele Standorte in Fettwiesen umgewandelt und daher vernichtet.

In der Roten Liste Deutschlands gilt es als stark gefährdet, ebenso in Hessen. In Niedersachsen, Berlin und Hamburg ist es schon ausgestorben.

Das Kleine Knabenkraut ist auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, da es selbststeril ist, d.h. es kann sich nicht selbst befruchten. Dabei kommt es gelegentlich zu Kreuzungen mit anderen Orchideenarten. Da es außerdem sechs Unterarten gibt, sind die Verbreitungsgrenzen nicht ganz eindeutig bestimmbar.

Im Jahr 1991 wurde das Kleine Knabenkraut vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland zur Orchidee des Jahres gewählt, um auf ihre Gefährdung hinzuweisen.

Der Beiname „morio“ (von moros, Narr) oder auch „Narrenkappe“ bezieht sich wohl auf die Form des oberen Teils der Blüte, der einer Narrenkappe ähnelt.

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Lebensraum:

Das Kleine Knabenkraut kommt auf Magerrasen, mitunter auch auf Trockenrasen, mäßig feuchten Wiesen, trockeneren Bereichen von Feuchtwiese und lichten Wäldern vor. Es braucht ungedüngte Standorte. Es besiedelt in Mitteleuropa Halbtrockenrasen und einschürige Trockenwiesen ebenso wie einschürige, kurzrasige feuchte Wiesen. An seinen Standorten tritt es zuweilen in größeren, mäßig dichten, individuenreichen Beständen auf. Im Tiefland Mitteleuropas tritt es vereinzelt auf und steigt in den Alpen kaum über Höhenlagen von 1500 Metern.

Das Kleine Knabenkraut hat eine breite ökologische Amplitude, da sie sowohl auf kalkreichen als auch auf kalkfreien Magerrasen vorkommt. Es gedeiht am besten auf stickstoffarmen, schwach sauren oder leicht basischen Wiesenboden, der nicht dauernd trocken sein sollte.

Verbreitung:

Anacamptis morio im engeren Sinne ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien und Kaukasien verbreitet. Sein Areal erstreckt sich nordwärts bis England, Skandinavien und bis zum Baltikum; das südliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Portugal und dem nordwestlichen Afrika über Kreta bis zur Türkei.

Geplante Schutzmaßnahmen:

Laut Nachforschungen gab es im Lahn-Dill-Bergland früher mindestens 16 Wuchsorte des Kleinen Knabenkrauts. Bei einer Überprüfung 2017 wurden an vier Standorten noch Pflanzen gefunden, weitere Standorte müssen noch überprüft werden.

Auf den bekannten Wuchsorten sollte demnächst eine Zählung/Schätzung der Vorkommen durchgeführt werden, da die Anzahl blühender Exemplare wie bei allen Orchideenarten von Jahr zu Jahr schwanken kann. Diese könnte teilweise ehrenamtlich geleistet werden.

Die Recherche nach weiteren ehemaligen Wuchsorten geht weiter, eine Zusammenarbeit mit angrenzenden Gemeinden und deren Akteuren wird angestrebt.

Auf zwei ehemaligen Wuchsorten in der Gemeinde Bad Endbach ist die Wiederansiedlung von Anacamptis morio geplant, dafür müssen die Flächen aber zuerst entbuscht und entfilzt werden. Diese Maßnahmen müssen später wiederholt werden, sofern niemand gefunden wird, der über einen HALM-Vertrag die Flächen entsprechend angepasst bewirtschaften kann, z.B. durch Schafbeweidung.

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