Hutungen (mit Silikatmagerrasen, Borstgrasrasen, Wacholderheiden)

(c)_Katrin_Schneider_Kopfgeschneitelte Hainbuche am Roßbrätche Nanzenbach

Hauptmerkmal:

Extensive Weidefläche

Weitere Merkmale:

pH-Wert: unterschiedlich
Feuchtigkeit: eher trocken
Bodenzusammensetzung: unterschiedlich
Bodendicke: oft dünn
Besonnung: auf dem Großteil der Fläche hoch
Nährstoffversorgung: schlecht bis mäßig
Sonstiges: Trittverletzungen, wird regelmäßig abgegrast, Hutebäume möglich

Entstehung:

Im Lahn-Dill-Bergland wurde die Landwirtschaft über viele Jahrhunderte eher als Nebenerwerb betrieben, denn die meisten Flächen waren vergleichsweise nährstoffarm oder wegen ihrer Flachgründigkeit für den Ackerbau ungeeignet und aufgrund der Realerbteilung oft sehr klein. Aus diesem Grund wurden die schlechtesten Flächen vieler Bauern zusammengelegt und gemeinschaftlich als Weide für Rinder und Schafe genutzt.

Ein Hirte trieb die Tiere morgens aus dem Dorf auf die Weide und abends zurück in den Stall oder auf ein nahes Feld, um es mit ihrem Kot zu düngen. So wurden den Weideflächen immer mehr Nährstoffe entzogen, sogenannte Magerrasen entstanden. Auf solchen Rasen wächst das saftig grüne Gras nicht sehr dicht, stattdessen bleibt Licht und Platz für einjährige Trockenheits-Spezialisten, die sich auf den gut bewässerten Feldern und Mähwiesen nicht durchsetzen konnten.

Auch die Samen von Büschen und Bäumen keimten natürlich gelegentlich auf der Weide, aber die meisten wurden bald von den Tieren gefressen. Wer sich mit Stacheln wehren konnte, hatte da schon bessere Chancen. Allerdings wollten die Bauern natürlich auch nicht, dass ihre Weiden zu Wäldern werden, und rissen deswegen regelmäßig aufwachsende Dornensträucher aus. Nur einige Gebüsche und Bäumchen schonten sie, um Schattenspender für sich und die Tiere zu erhalten. Oft waren es Wacholderbüsche oder Buchen, die dann zu sogenannten Hutebuchen heranwuchsen: Wahre Riesen, die vereinzelt stehen und deren Krone unten wie abgeschnitten bis zu der Höhe reicht, die die Weidetiere noch mit den Zähnen erreichen können…

Da der artenreiche Lebensraum „Hutung“ nicht natürlich, sondern durch menschliche Bewirtschaftung entstanden ist, braucht es auch für seinen Erhalt eine geregelte Hutung oder andere Nutzung als Extensivgrünland. Weil eine solche Form der Bewirtschaftung sich heute aber finanziell nicht mehr lohnt, gibt es für die besonders umweltschonende Nutzung von Flächen Verträge und Honorar-Zahlungen aus verschiedenen Umwelt-Fonds und -Programmen.

Schmetterling_(c)_Frank-Lorenz_IMG_0071

Auf den Lebensraum angewiesene Arten:

Katzen-Pfötchen, Wiesen-Salbei, versch. Orchideen, Gewöhnliches Sonnenröschen, Färber-Ginster, Stängellose Kratzdistel, Langstieliger Mannschild, Wacholder, Deutscher Ginster, Kleiner Wiesenknopf, Arznei-Ehrenpreis, Feld-Enzian u.v.m.

zahlreiche Schmetterlings-, Heuschrecken-, Vogel- und Nachtfalter-Arten, u.a. Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Schwalbenschwanz, Neuntöter, Warzenbeißer und Feldlerche, Zauneidechse

Vorkommen:

Da Viehhaltung früher fast überall betrieben wurde, gibt es huteähnliche Flächen in der ganzen Welt. Voraussetzung sind natürlich unbewaldete, grasbewachsene Flächen, was Hochgebirge, Wüsten und zu kalte Regionen ausschließt. Damit wirkliche Hutungen entstehen können, darf die Bevölkerungs- und Viehdichte nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein, damit die Flächen regelmäßig aber nicht dauerhaft abgegrast werden.

Der Boden darf nicht zu nährstoffreich sein, da sich sonst die Ackernutzung darauf eher lohnt, als die Viehhaltung. Auf feuchten Wiesen können Nutztiere nicht gut stehen, weswegen sie meist eher als Mähwiesen genutzt wurden. Die meisten Weiden lagen deswegen auf steinigen Hügelkuppen oder an steilen Hängen.

Heute gibt es Hutungen nur noch dort, wo die Viehhaltung nicht im Laufe des landwirtschaftlichen Strukturwandels nach dem zweiten Weltkrieg intensiviert oder aufgegeben wurde.

Geplante Schutzmaßnahmen:

Hutungen mit den Biotoptypen Silikatmagerrasen, Borstgrasrasen, Kalkhalbtrockenrasen oder Wacholderheiden waren im Naturpark im großen Umfang vorhanden. Viele davon sind verbuscht oder aufgeforstet worden, eine nennenswerte Anzahl aber noch erhalten.

Sinnvoll wäre es, für einen Teilbereich des Naturparks ein Magerrasenschutzkonzept erarbeiten zu lassen, das neben der Wiederherstellung von ehemaligen Flächen auch den Aspekt der Vernetzung beinhaltet. Daneben sollte sich der Naturpark auf die Umsetzung von Maßnahmen konzentrieren. Wenn mit der Entbuschung einiger Flächen begonnen und diese mit Öffentlichkeitsarbeit begleitet wird, werden aller Voraussicht nach weitere Flächen an den Naturpark herangetragen, zu denen man Maßnahmen koordinieren kann.

Diese Maßnahmen nützen dann auch den hier vorkommenden Aktionsarten, sodass man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann.

Folgen Sie uns auf facebookFolgen Sie uns auf youtubeInfos anfordernMitglied werdenZum Newsletter anmelden