Haselhuhn (Bonasa bonasia)

Aussehen:

Das ca. 35 cm große Haselhuhn ist grau bis rotbraun gefiedert auf der Oberseite und weißlich-schwarz gemustert auf der Unterseite. Die schwarz-weiße Musterung nimmt zur Kehle hin zu und geht dort in einen rotbraunen Farbton über. Der Schwanz ist relativ lang. Er trägt am Ende eine breitere, schwarze, am Außenrand weiß gesäumte Querbinde.

Bei Erregung können beide Geschlechter die Kopffedern zu einer charakteristischen „Holle“ aufstellen. Im Gegensatz zur Henne hat der Hahn im Brutkleid einen schwarzen Kehlfleck.

Gelinotte

Lebensweise:

Haselhühner können fliegen und sind sogar in der Lage, im Gleitflug jäh zu wenden. Ein aufgeschrecktes Haselhuhn fliegt aber in der Regel nicht weiter als etwa 100 Meter und versteckt sich dann in einem Baum.

Das Haselhuhn ist ein ausgesprochener Standvogel, bei dem es nur kleinräumige Ortsveränderung in Abhängigkeit von Deckungsmöglichkeiten und der Verfügbarkeit von Nahrung gibt. In einer Studie lagen 90 % der Wiederfunde beringter Vögel weniger als 500 Meter vom ursprünglichen Beringungsort entfernt. Die Besiedelung von Regionen, die dieser Art wieder geeignete Lebensmöglichkeiten anbieten, finden deswegen gar nicht oder nur sehr langsam statt.

In Regionen, in der Haselhühnern Lebensräume finden, die ihren Anforderungen in besonderem Maße entsprechen, kann die Bestandsdichte bis zu 20 Paare pro Quadratkilometer betragen. Typischer ist jedoch eine Bestandsdichte von zehn bis 15 Paaren pro Quadratkilometer. In weniger geeigneten Lebensräumen leben pro Quadratkilometer zwischen 0,5 und 1,5 Brutpaare.

Die Nahrung des Haselhuhns ist überwiegend pflanzlich, wobei die Hauptbestandteile im Jahresverlauf wechseln. Im Frühjahr und Sommer frisst es überwiegend grüne Teile, Blüten und Samen von Stauden und Sträuchern und nutzt dabei eine große Anzahl von Nahrungspflanzen. Im Spätsommer und Herbst nimmt es überwiegend Beeren zu sich. Dagegen frisst es im Spätherbst und Winter sowie im zeitigen Frühjahr die Kätzchen, Knospen und Endtriebe von Laubbäumen und Sträuchern. Die Küken fressen zunächst überwiegend Spinnen, Käferlarven, Heuschrecken, Raupen und Ameisen.

Das Haselhuhn ist monogam und während der Fortpflanzungszeit territorial. Im Herbst findet die Balz statt, bei der sich Paare bilden, die auch den Winter über zusammen bleiben können. Es kommt aber erst während der Frühjahrsbalz zur eigentlichen Paarung.

Gélinotte huppée dans un arbre

Das Nest ist eine flache, vom Weibchen ausgeschiffte Mulde, die dürftig mit frischen oder trockenen Pflanzenteilen ausgelegt ist. Es liegt sehr gut versteckt, z. B. unter Steinen oder Felsen, am Fuße eines Baumes oder unter umgestürzten Bäumen. So ist es gut vor Räubern, aber auch Regen und Schnee geschützt. Dort werden innerhalb von 10–14 Tagen 5–10 Eier abgelegt. Die glänzend gelblich-beigen Eier weisen zumeist eine Zeichnung von feinen rötlich-braunen Tupfen, Punkten und einigen größeren Klecksen auf. Es brütet nur das Weibchen, das Männchen hält sich aber bis zum Schlupf der Jungen in Nestnähe auf.

Als Nestflüchter sind die jungen Küken schon kurz nach dem Schlüpfen aktiv und erkunden ihre nähere Umgebung. Ab der zweiten Lebenswoche ändert sich ihre wendige und schnelle Fortbewegung in ein langsames, bedächtiges Schreiten. Die Henne führt den Sommer über ihre Küken an gute Nahrungsplätze. Am Anfang sind das Wald- und Wiesenränder mit relativ niedriger Bodenvegetation. Später findet die Familie ihr Futter in Heidelbeerbeständen, Himbeergebüschen und ähnlichem. Im Herbst, wenn die Familie auseinandergeht, stehen Vogelbeeren, Kätzchen und Knospen auf dem Speiseplan. Zudem werden Raupen aus dem Totholz von Kiefern gescharrt.

Bedeutung der Art:

Das Haselhuhn war in Eurasien über lange Zeit eine der am meisten gejagten Vogelarten. Auf Grund der geschmacklichen Qualität des Fleisches wurden Haselhühner in Russland nicht nur auf lokalen Märkten verkauft, sondern auch exportiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlegten Berufsjäger nicht weniger als drei Millionen Haselhühner jährlich.

In Mitteleuropa ist das Haselhuhn allerdings erst seit der Nachkriegszeit vergleichsweise selten und in großen Teilen seines früheren Verbreitungsgebietes nicht mehr vorkommend. Da das Haselhuhn ein ausgeprägter Standvogel ist, bleibt eine natürliche Wiederbesiedlung von Regionen aus, selbst wenn diese mittlerweile wieder geeignete Lebensräume bieten. Es gibt daher einige aufwändige Wiederansiedlungsprogramme, um Haselhühner in Teilen Mitteleuropas wieder heimisch zu machen.

Nach dem Aussterben von Auerhuhn und Birkhuhn ist das Haselhuhn die einzige Rauhfußhuhnart Hessens. 1966 wurde der Bestand auf landesweit etwa 64 Individuen geschätzt, davon 40 im Dillkreis. In den Jahrzehnten danach gelangen immer weniger Nachweise.

Daß das Haselhuhn überhaupt noch zur hessischen Vogelwelt gehört, ist der Haubergswirtschaft zu verdanken, bei der Laubholzwälder im Rhythmus von 18-25 Jahren eingeschlagen werden. Bis nach etwa 20 Jahren wieder ein geschlossener Wald entsteht, findet das Haselhuhn eine reichhaltige Krautschicht mit Beeren- und Knospennahrung und stets ausreichender Deckung vor.

(c) Marion Klein

Lebensraum:

Das Haselhuhn benötigt unterholzreiche Wälder mit einer vielseitigen Artenzusammensetzung und mit einer reichen horizontalen und vertikalen Gliederung. Gute Haselhuhnbiotope weisen Laubbäume, eine nicht zu dichte Kraut-, Hochstauden- und Zwergstrauchschicht, die Beeren als Nahrung anbieten, sowie Dickichte auf. Ungeeignete Habitate sind durchforstete oder dicht geschlossene Altersklassenbestände.

Auf Grund des großen Verbreitungsgebietes und ihrer jeweils unterschiedlichen klimatischen Bedingungen besiedelt das Haselhuhn unterschiedliche Waldformen. Im gesamten Verbreitungsgebiet ist das Haselhuhn am ehesten in bewaldeten Gebirgsflusstälern anzutreffen, in denen Fichten, Birken und Erlen dominieren.

Verbreitung:

Von Vicpeters - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20195378

Geplante Schutzmaßnahmen:

Die Datenlage zum Vorkommen des Haselhuhns im Lahn-Dill-Kreis ist nicht ganz klar. Teilweise wird noch eine Restpopulation vermutet, anderen gilt diese als erloschen. Sicher ist das Vorkommen des Haselhuhnes in Haubergen des angrenzenden Siegerlandes.

Als erste Maßnahme ist deswegen der Aufbau von Verbundkorridoren zu den Vorkommen in den Siegerländer Haubergen notwendig, da die hessische Population, so sie noch existiert, für den dauerhaften Erhalt zu klein sein dürfte. Da die Lage möglicher Verbundkorridore noch unklar ist, sollte zuerst eine Konzeptstudie beauftragt werden. Dafür könnte sich der Naturpark an der Aufstellung des Maßnahmenplans für das Vogelschutzgebiet „Hauberge bei Haiger“ beteiligen und für die Aufnahme der Verbundkorridore für das Haselhuhn in den Maßnahmenplan werben.

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