Braunkehlchen (Saxicola rubetra)

Aussehen:

Das Braunkehlchen ist etwa 13 bis 14 Zentimeter groß und wiegt etwa 15 bis 20 Gramm. Die Oberseite ist braun, schwarz gemustert und der Bauch ist weißlich gefärbt. Kehle und Brust sind orangegelb gefärbt. Ein Braunkehlchen kann bis acht Jahre alt werden. Das Männchen hat einen weißen Überaugstreif und einen weißen Kinnstreif. Der Bereich zwischen den beiden Streifen ist schwarz. Sein Ruf klingt wie „jü teck“ und dient dazu, Weibchen anzulocken und sein Revier zu markieren. Zum Singen und bei der Beutejagd sitzt das Braunkehlchen gern auf hohen Pfosten und Halmen.

Von Marek Szczepanek - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=91381

Bedeutung der Art:

In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015 wird die Art in der Kategorie 2 als stark gefährdet geführt. Der Bestand in Deutschland wurde für die Zeit von 1995 bis 1999 mit 37.000 bis 90.000 Brutpaaren angegeben, für die Zeit von 2008 bis 2012 allerdings nur noch mit 29.000 bis 52.000 Brutpaaren (Rückgang im Mittel um 36 %).

Durch intensive Grünlandnutzung werden die Bodenbrüter ihrer Nahrungsquellen und ihres Lebensraumes beraubt und von den bewirtschafteten Wiesenflächen vertrieben. Freilaufende Hunde stören das Brutgeschäft der Vögel, weiterhin sind die Jungtiere eine leichte Beute für Hauskatzen. Hinzu kommt beim Braunkehlchen als Afrikaüberwinterer der Pestizideinsatz in den Überwinterungsgebieten.

Wahrscheinlich liegt der Gesamtbestand in Hessen aktuell bei unter 300 Paaren, von denen fast ein Viertel im Lahn-Dill-Bergland und hier vor allem im Vogelschutzgebiet an der Aartalsperre lebt.

Feuchtwiese Aartalsee

Lebensraum:

Als Lebensraum bevorzugt das Braunkehlchen offene, frische bis feuchte Flächen mit nicht zu hoher Gehölz- und Heckendichte. Für die Nestanlage benötigt es eine Deckung bietende Kraut- und/oder Zwergstrauchschicht. Typischerweise siedelt es deswegen bei uns in extensiv bewirtschaftetem Grünland. Das Nest wird im hohen Gras in einer Bodenmulde versteckt. Das Weibchen legt vier bis sieben blaugrüne Eier, die 12 bis 15 Tage lang vom Weibchen bebrütet werden. Das Braunkehlchen ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Schnecken, Spinnen und Beeren. Für die Nahrungssuche benötigt es Stellen mit niedriger und lückiger Vegetation, die außerdem Ansatzwarten wie beispielsweise sperrige Kräuterstengel, Schilfhalme, Hochstauden, Zäune, Pfähle oder einzelne Gehölze aufweisen.

Verbreitung:

Das Braunkehlchen ist Brutvogel von West-Europa bis Sibirien. Sein Verbreitungsgebiet reicht im Norden Europas bis an den 70. Breitengrad, im Süden bis an die mediterrane Zone. In Hochlagen dringt die Art auch weiter nach Süden vor (Nord-Spanien, Italien, Balkan). Die Hälfte der Population findet sich in Skandinavien und Russland.

Geplante Schutzmaßnahmen:

Zum Braunkehlchen laufen zur Zeit schon umfangreiche Monitoring- und Schutz-Maßnahmen, organisiert durch die Vogelschutzwarte und finanziert aus Natura-2000-Mitteln. Daher scheinen weitere Aktionen vonseiten des Naturparks aktuell nich erforderlich zu sein. Allerdings streben wir natürlich eine enge Zusammenarbeit mit den Akteuren an und sehen es als unsere Aufgabe an, die laufenden Maßnahmen bei Bedarf zu unterstützen und die Bedeutung des Lahn-Dill-Berglands für die Population des Braunkehlchens zu kommunizieren, sowohl Erholungssuchenden, die Gefahr laufen, durch unbedachtes Verhalten das Braunkehlchen zu stören, als auch Landwirten, die angehalten werden sollen, eine an das Braunkehlchen angepasste Bewirtschaftung von Feuchtwiesen umzusetzen.

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