Natur & Landschaft

Ein enges Netz naturnaher Bäche, tief eingeschnittene Kerbtäler, große Reliefunterschiede und stark wechselnde geologischer Untergründe prägen den Naturraum des Lahn-Dill-Berglandes. Sie bilden den Lebensraum für eine sehr vielgestaltige Vegetation, für viele seltene Pflanzen und eine atemberaubende Vielfalt an Tierarten.

So wachsen im Naturpark Lahn-Dill-Bergland auf mageren Ackerstandorten beispielsweise vom Aussterben bedrohte Ackerwildkrautgesellschaften. 56 % der Gesamtfläche des Lahn-Dill-Berglandes entfallen auf Laub- und Nadelwald (wovon der Anteil privaten Kleinwaldes der höchste in ganz Hessen ist). Grünland, das vor allem in den westlichen Teilen des Naturparks Lahn-Dill-Bergland vorkommt, nimmt 22 % der Gesamtfläche ein. Und nur 16 % der Fläche werden als Ackerland genutzt.

  • Land- und Forstwirtschaft

    Die natürlichen Voraussetzungen für die Landbewirtschaftung im Lahn-Dill-Bergland werden durch seine vielgliedrige Morphologie bestimmt. Diese ist gekennzeichnet durch ein stark wechselndes System aus Kuppen, Becken und tief eingeschnittenen Tälern.

    Im Lahn-Dill-Bergland findet man eine stark ausgeprägte Nebenerwerbslandwirtschaft. Während im hessischen Durchschnitt ca. 70% aller Landwirte einem Nebenerwerb nachgehen, sind dies im Lahn-Dill-Bergland weit über 80%. Der Grund liegt in der frühen Entwicklung und auch heute noch großen Zahl industrieller Betriebe, die ein außerlandwirtschaftliches Einkommen ermöglichen. In vorhergehenden Jahrhunderten war es der Bergbau, danach die Wanderarbeiterschaft, die den Familien ein konstantes Einkommen bereitstellen konnte.

    Unterstützt wurde der Trend zur Nebenerwerbslandwirtschaft durch die traditionell vorhandene Realerbteilung, die eine Entstehung haupterwerblicher Landwirtschaft kaum zuließ.

    Das Lahn-Dill-Bergland besteht im Wesentlichen aus den Naturräumen des Westerwaldes und des Rothaargebirges. Die hier vorzufindenden geologischen Besonderheiten haben die Kulturlandschaft in den letzten Jahrhunderten geprägt. Das zum Westerwald gehörende Gladenbacher Bergland und der hessische Teil des Rothaargebirges setzen sich in erster Linie aus den Gesteinen des Devons und Unterkarbons zusammen. Dazu gehören Diabase, Schiefertone, Grauwacken, Sandsteine und Kalkgesteine.

    Verbunden mit der vulkanischen Tätigkeit konnten auch Eisen- und andere Metallverbindungen nach oben gelangen. Der Untergrund des Lahn-Dill-Berglandes ist ein vielgestaltiges Mosaik der unterschiedlichsten Ausgangsgesteine. Diese Vielgestaltigkeit zeigt sich auch in dem Relief dieser Landschaft, die ein stark wechselndes System aus Kuppen, Becken und Tälern dar stellt.

  • Flora

    Zahlreiche Wälder und weitläufige Wiesen mit einer Vielzahl an Blüten und Heilkräutern bestimmen das eindrucksvolle Landschaftsbild des Naturparks.

    Die Vielfalt der Vegetation reicht dabei von Glatthafer, Pfeifengras und Kräutern wie Johanniskraut, Frauenmantel und Arnika sowie selten gewordenen Pflanzen wie Fieberklee und Wollgras zu einem vielfältigen Baumbestand – angefangen bei naturnahen Höhenwäldern mit trockenen Eichen bis zu Niederwaldformen mit Buchen und Erlen. Aber auch selten gewordene Wiesenfarne wie die Mondraute und die Natternzunge sind im Naturpark Lahn-Dill-Bergland zu finden.

    Eine Besonderheit sind Wacholderheiden bei Dautphe, Simmersbach, Eibach, Dreisbach und Eiershausen, die in den höheren Lagen durch Streuobstwiesen ergänzt werden, welche die Landschaft zusätzlich bereichern.

  • Fauna

    Neben dem beeindruckenden Pflanzenreichtum bietet auch die Tierwelt des Naturparks eine einzigartige Vielfalt. In den Buchenwäldern hämmern Schwarzspechte, Rotmilane ziehen über den Baumwipfeln ihre Kreise und dem selten gewordenen Schwarzstorch dienen die weiten Wiesen und Gewässer des Lahn-Dill-Berglandes als Lebensraum. Auch nachts ist es lebhaft, wenn in den Wäldern und Steinbrüchen Uhus, Wald-, Rauhfuß- und Sperlingskauze sowie Schleier- und Waldohreulen auf Beutefang gehen. In der Abenddämmerung können zudem Fledermäuse beobachtet werden; rund 15 verschiedene Fledermausarten sind im Naturpark zu finden. Tagsüber bevölkern neben den vielen Vögeln auch Schmetterlinge verschiedenster Art die Wiesen und Waldrandgebiete: Schwalbenschwanz, violetter Waldbläuling, Dukatenfalter, Feurige Perlmuttfalter und Rundaugen-Mohrenfalter sind im Naturpark Lahn-Dill-Bergland beheimatet.

  • Geologie

    Von unterschiedlichen Reliefstrukturen und tief eingeschnittenen Tälern gekennzeichnet, grenzt das Lahn-Dill-Bergland im Südwesten an das Rheinische Schiefergebirge.

    Das Lahn-Dill-Gebiet gehört zum „Hessischen Synklinorium“, eine Art großräumige Einbuchtung, die durch Faltung und Überschiebung der Erdschichten im Paläozoikum und dadurch hervorgerufene Hebungen, Bruchlinien und Verwerfungen entstand. Die zahlreichen Störungszonen sind u. a. Ursache für die außergewöhnlich große Vielzahl an Erzen und Mineralien, die in der Region zu finden sind. Der Geopark Westerwald-Taunus-Lahn, der zum Teil im Lahn-Dill-Bergland liegt, lässt die 2 500 Jahre alte geologische Geschichte der Region wieder aufleben – erkunden auch Sie die Überreste des früheren Eisenerzbergbaus und der Eisenerzverhüttung.